2009 Juni
Umsetzungsnah am Kunden

Archive for Juni, 2009

23
Jun

BNB: Warnzeichen: Die Unternehmen emittieren viele neue Aktien: Solange an der Börse das “Grundgesetz” von Angebot und Nachfrage Gültigkeit hat, ist eine Zunahme der Aktien ein bearishes Zeichen. Und genau das scheint in letzter Zeit zu geschehen: Die US-Unternehmen haben so viele neue Aktien emittiert wie lange nicht mehr. Das Angebot wächst, und dies kann die Kursentwicklung gefährden. Zumal wir nach wie vor in einem sehr anfälligen Wirtschafts- und Liquiditätsumfeld operieren.

Wiwo: Krisenzeiten durch mehr Vertrauen in eigene Stärken überwinden: Die Krise ist auch eine Chance. Bürger und Wirtschaft müssen nur mehr Vertrauen in ihre eigenen Stärken haben. Ein Plädoyer gegen die Larmoyanz von Abtprimas Notker Wolf.

HB: Die Miete, der populäre Sündenbock: Das Karstadt-Urteil war schnell gefällt: „Überhöhte Mieten“ hätten den Essener Warenhaus-Betreiber und seinen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz getrieben. Ähnlich die Argumentation im Fall Hertie: Auch dessen Schicksal sei durch die Weigerung des Immobilieneigentümers, die Mieten zu senken, endgültig besiegelt worden. Dennoch trifft der populäre Schuldspruch nicht ganz den Kern der Wahrheit

BW: Deutsche gehen krank zur Arbeit und gefährden damit Kollegen: Deutsche Unternehmen riskieren unnötige Ausfallzeiten, weil ihr Personal krank an den Arbeitsplatz zurückkehrt. In jedem zweiten Betrieb ist die verfrühte Arbeitsaufnahme gängige Praxis. Dadurch besteht in gut jedem dritten Unternehmen eine erhöhte Ansteckungsgefahr für Kollegen.

HB: Beförderter Absturz der Aufsteiger Ehrgeizige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis sie scheitern, behauptete einst der kanadische Erziehungswissenschaftler Laurence Peter. Nach dem Peter-Prinzip kommt jeder Arbeitnehmer mit seinen Fähigkeiten irgendwann am Ende der Karriereleiter an – der eine früher, der andere später.

BW: Entscheidungstechniken - Diese Methoden helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung: Wenn es um das Entscheiden geht, fühlen sich viele Führungskräfte unsicher. Vor allem dann, wenn die Fülle der Informationen und das Bauchgefühl im Widerspruch liegen. Hilfreich sind einfache Methoden, die Klarheit in den Informationswust bringen. Wer zudem seiner Erfahrung traut und mögliche Folgen reflektiert, schafft sich Entscheidungssicherheit. Und vermeidet, in typische Entscheidungsfallen zu tappen.

BW: Intuition Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl - aber nicht blind: Im Alltag müssen wir uns häufig schnell entscheiden, obwohl wir die Folgen nur bedingt abschätzen können. Unsere Intuition ist hierbei oft unsere beste Ratgeberin – und diese können wir sogar trainieren. Doch blind sollten wir unserem Bauchgefühl nie vertrauen, sondern unsere intuitiven Entscheidungen auch hinterfragen.

SIN: Reputations-Management per Podcast - Interview mit dem SEOnaut: Podcasts sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil des Web 2.0. So richtig im Mainstream angekommen sind sie aber (noch) nicht.

UDE: Erfolgreiche PR-Arbeit: 7 goldene Regeln für die Unternehmenskommunikation: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieses Axiom von Paul Watzlawick formuliert gerade für mittelständische Unternehmen eine zentrale Herausforderung: In der Informations- und Wissensgesellschaft, in der der Einzelne immer mehr darüber entscheidet, wann er von wem welche Informationen haben möchte, kann man sich der Kommunikation nicht entziehen oder verweigern.

HB: Zu gute Stimmung ist schlecht fürs Geschäft Viele Mitarbeiter verdienen mehr, wenn sie sich mit ihrem Chef gut verstehen. Doch die Freundschaften der Vorgesetzten können für den Firmengewinn schädlich sein. Forscher haben nun die Auswirkungen sozialer Bindungen in Firmen untersucht und ein Rezept gegen die Vetternwirtschaft gefunden.

NZZ: Rechnungs- und Bilanzdaten sind möglichst frisch zu konsumieren: Transparenz und Schnelligkeit in der Unternehmensberichterstattung als Mittel gegen die Krise In der Wirtschaft wird mit dem Ziel der Effizienzsteigerung die Standardisierung von Informationsflüssen und Geschäftsprozessen laufend vorangetrieben. Der Autor des folgenden Beitrags plädiert dafür, in der Unternehmensberichterstattung eine ähnliche Standardisierung zu forcieren, um Aufsichtsbehörden, Investoren und Marktbeobachtern eine raschere und effizientere Datenauswertung und Meinungsbildung zu ermöglichen.

BW: Kennzahlenmanagement Das Unternehmen steuern und auf Kurs halten. Um ein Unternehmen effektiv steuern zu können, überziehen Manager es mit einem System von Kennzahlen. Sie sollen die vielen Geschäftsvorfälle abbilden und sichtbar machen. Doch Vorsicht ist geboten: Kennzahlen sind nur ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit. Und allzu schnell erkennt man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Hier lernen Sie, ein effektives und überschaubares Kennzahlensystem zu entwickeln.

HB: Impressum - mehr als nur Pflicht: Mittelständler lassen sich ihren Auftritt im Internet immer mehr kosten. Doch zwischen Pop-Ups und animierten Grafiken vernachlässigen sie oft etwas Wesentliches - das Impressum. Aber wenn vorgeschriebene Angaben fehlen, kann das richtig teuer werden. Handelsblatt.com zeigt, was im Impressum stehen muss.

HB: Flüssig bleiben mit Kapital-Management Working Capital Management hilft Unternehmern, ihren Kapitaleinsatz zu senken. So schaffen sie neue finanzielle Spielräume und das oft mit simplen Kniffen. Dabei ist gute Kommunikation gefragt – mit Kunden wie mit Lieferanten.

HB: „Bossnapping“: Wenn der Chef zur Geisel wird: Molex, 3M, Caterpillar, Sony: Geht es um Jobabbau in Frankreich, nehmen wütende Beschäftigte ihre Chefs schon mal als Geisel. Industrievertreter und Restrukturierungsberater sind davon überzeugt, dass das sogenannte „Bossnapping“ vermeidbar ist. Ein offener Dialog kann hierbei helfen.

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20
Jun

Die Quintessenz dieser Schlagzeile könnte man aus dem Beitrag ziehen, der gestern auf FAZ.net unter “Zu viel Geld macht nervös” zu lesen war. Lisa Nienhaus stellt darin die Ergebnisse einer amerikanisch-kanadischen Studie vor, die bereits im vergangenen Jahr unter der Bezeichnung “Large Stakes and Big Mistakes” (46 Seiten PDF) erschienen ist.

Die Untersuchungsergebnisse sollen zeigen, dass Bezahlung und Leistungen in keinem kausalen Zusammenhang stehen.

“Forschungen von Psychologen und Ökonomen stellen die leistungsabhängige Bezahlung noch weitaus grundsätzlicher in Frage. Denn die Wissenschaftler sind nicht einmal sicher, dass besonders hohe Boni, wie sie in bestimmten Branchen gezahlt werden, überhaupt dazu taugen, Mitarbeiter zu Leistung anzuspornen. Die Forscher haben sogar den gegenteiligen Effekt beobachtet. Menschen, die eine besonders hohe Belohnung für eine bestimmte Leistung erhielten, erzielten oft deutlich schlechtere Ergebnisse als Menschen, die nur eine kleine oder mittlere Belohnung erhielten. … Die Forscher erklären sich die schlechten Ergebnisse damit, dass besonders hohe Belohnungen für eine Aufgabe zwar die Motivation steigern, aber auch die Nervosität. Das kann dazu führen, dass die Gedanken stärker um das erhoffte Geld kreisen als um die zu erledigende Aufgabe. Dadurch sinken die Leistungen. Diese These belegen die Forscher zwar nicht, sie hat aber eine gewisse Plausibilität.

Die Studie legt nahe, dass die besonders hohen Boni in Branchen wie dem Investmentbanking womöglich vollkommen unsinnig sind und den Unternehmen schaden, anstatt ihnen (wenigstens kurzfristig) zu nützen.”

Weitere Details im Artikel bzw. in der Studie selbst.

Der Praxis selbst sind aber solche Erkenntnisse herzlich egal. Der Branchendienst “Breaking View” stellte nämlich erst jüngst fest, dass die Kassen wieder klingeln. Gemeint sind damit auch die Bonuskassen, denn die Erträge im Investmentbanking sind in den ersten fünf Monaten wieder gestiegen. Die in diesem Geschäftsfeld verbliebenen Mitarbeiter werden sich also über erneute Bonuszahlungen freuen. Diese sollen ihnen selbst dann zustehen, wenn sie kaum einen eigenen Beitrag zu den erhöhten Gewinnen geleistet haben. Dazu stellte Jeffrey Goldfarb fest: continue

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18
Jun

Das war ein spannender Tag am Dienstag in einer kreativen Location (The Hub) in Berlin. Die “Next Banking Konferenz” hatte eingeladen, einen Blick in das Banking der Zukunft zu wagen. Die große Revolution wurde erwartungsgemäß nicht ausgerufen. Es sind jedoch viele zarte Blüten erkennbar, von denen durchaus einige das Zeug haben, dem Old Banking mehr als nur ein paar Geschäfte wegzunehmen. Noch ist es freilich nicht so weit.

Schade, dass traditionelle Institute mit einer Ausnahme die Veranstaltung gemieden haben. Es hätte einen noch fruchtbareren Dialog geben können. Erforderlich ist dieser Dialog angesichts der Entwicklungen im Bankensektor für beide Seiten. Die traditionellen Banken müssen sich aktiv mit neuen Entwicklungen befassen. Die Avantgarde des New Banking sollte aber die Probleme der klassischen Banken kennen, um frühzeitig alte Fehler zu vermeiden. Nur leider fehlten diese Teilnehmer der Veranstaltung.

So bleibt die Vermutung, dass sich viele Banken ähnlich verhalten, wie zu Zeiten als die Direktbanken aufkamen: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen.” Das Copyright auf dieses Zitat gehört übrigens Matthias Kröner, der auf unterhaltsame Art mit den “Klassikern” abrechnete.

Die Ausnahme unter den traditionellen Institute machte übrigens die GLS Bank aus dem Genossenschaftssektor. Sie präsentierte sich sehr transparent und webfreundlich. Hier soll man sogar demnächst aus dem Netz erfahren, in welche Einzelanlagen das Institut ihr eigenes Geld investiert. Bisher gibt es das nur offline. Diese Form der Transparenz hat die Bank übrigens schon vor der Finanzkrise betrieben. Nun gilt sie als Vorzeigebank, die mittlerweile vor der Herausforderung steht, das starke Wachstum organisatorisch zu bewältigen.

Transparenz bleibt aber vorerst für klassische Banken ein Fremdwort, ähnlich wie kundenfreundliches Verhalten. Die entsprechenden Empfehlungen des Bundesverband Deutscher Banken für neue Leitlinien zur Stärkung des Anlegervertrauens im Retail-Geschäft hat das Auditorium übrigens mit einem süffisanten Lächeln quittiert.

Allerdings scheinen viele Institute angesichts der umfangreichen Regulierung und komplexer interner Abläufe und IT gefangen in ihren Geschäftsmodellen. Schnelle Reaktion auf neue Marktentwicklungen sind so kaum möglich. Für die Umsetzung  neuer Ideen könnte es daher deutlich einfacher sein, ein neues Institut zu gründen, als schwerfällige Organisationsstrukturen und komplexe IT-Prozesse eines etablierten Instituts anzupassen. Aber auch für neue Institute gilt die Gravitationstheorie der Finanzmärkte und dazu gehören besondere Sicherheitsstandards. continue

Category : Strategie | Blog
18
Jun

Über ein schwer verdauliches Thema war gestern ein Artikel im Handelsblatt zu lesen. Unter der Überschrift “Pleiteschutz bringt Baufirmen in Zahlungsnot” berichtet die Zeitung von einem bisher nicht beachteten Gesetz, das eigentlich Baulieferanten vor Zahlungsausfällen schützen sollte, sich mittlerweile aber als Fehlkonstruktion entpuppt und sogar zusätzliche Liquiditätsengpässe erzeugen soll.

Es geht um das 100 Jahre alte Bauforderungssicherungsgesetz, das zum 1.1.2009 geändert wurde. Nach bereits 6 Monaten stellt sich heraus, dass das Gesetz wohl unpraktikabel ist und das Liquiditätsmanagement von Bauunternehmen durcheinander wirbelt. Merkwürdig ist dabei, dass der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erst jetzt öffentlichkeitswirksam Alarm schlägt, denn die Gesetzesänderung wurde bereits Ende Oktober 2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Aber nun beklagt sich der Verband, weil der Bundesrat eine Änderung des Gesetzes abgelehnt hat.  Dazu ist in dem Artikel zu lesen:

„Wird das Gesetz nicht geändert, kommt die ganze Branche vom Hauptunternehmer bis zum kleinsten Handwerker massiv in Liquiditätsprobleme“, sagte HDB-Vizepräsident Thomas Bauer dem Handelsblatt. Seinen Berechnungen zufolge müssten die Unternehmen nach den neuen Regeln bei gleicher Bauleistung insgesamt vier bis fünf Mrd. Euro zusätzliche Liquidität vorhalten – und das in der Krise. „Sollte die Politik das wirklich ernst meinen, müsste sie sofort einen staatlichen Liquiditätsfonds in dieser Höhe bereitstellen“, sagte er.

Die strittige Vorschrift gibt Bauunternehmen seit Jahresbeginn auf, dass sie eingehende Zahlungen von Auftraggebern und Bauherrn jeweils nur noch für deren konkretes Bauvorhaben verwenden dürfen. Auch ein Unternehmen, das viele Projekte parallel realisiert, dürfe mit Geld aus Projekt A zum Beispiel keine Betonlieferung für Projekt B mehr bezahlen – „selbst wenn der Betonmischer in einer Tour zu beiden Baustellen fährt und die Betonfirma auch nur eine Rechnung stellt“, sagt Bauer. Sogar Personal, das parallel auf verschiedenen Baustellen arbeite, müsse nach diesen Regeln eigentlich genau anteilig aus den Baugeldern für jedes Einzelprojekt bezahlt werden.

Eigentlich erstaunlich, dass es bei dieser Konstruktion nicht schon früher einen Aufschrei gegeben hat, denn in der Praxis dürfte diese Anforderung kaum unbürokratisch umzusetzen sein und das Liquiditätsmanagement vor erhebliche praktische Probleme stellen.  Aber um hier wirklich ein Urteil abgeben zu können, müsste man tiefer in die Materie einsteigen. Vielleicht kann das ja ein Leser leisten.  Mir bleibt bis dahin nur ein Kopfschütteln angesichts der Bürokratie, die mit dem Gesetz ganz grundsätzlich verbunden ist.

Mit der Finanzkrise hat das ursprüngliche Gesetzgebungsverfahren übrigens rein gar nichts zu tun, denn der erste Entwurf stammt aus Anfang 2006 (siehe hier die entsprechende Drucksache).

Category : Krisenmanagement | Blog
9
Jun

Vergangenen Freitag hatte ich in meinem Blog über die Kreditklemme 2.0 geschrieben. Diese Klemme zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Vergabe von Krediten eingeschränkt wird, weil viele Unternehmen die gestiegenen Anforderungen für Kredite nicht erfüllen. Außerdem verlangen Banken mehr Sicherheiten und wollen mehr Nachweise der Planungssicherheit.

Über ein Beispiel war jüngst im Handelsblatt zu lesen, nämlich über die Projektfinanzierung im Hamburger Vorzeigeneubaugebiet Hafencity. Ein mittelständischer Projektentwickler berichtet, dass Banken für Finanzierungen von Wohnbauvorhaben heute 20 bis 30 Prozent Eigenkapital erwarten sowie eine Vorverkaufsquote bei 50 Prozent. Früher reichten 15 bis 20 Prozent Eigenkapital verlangt und teilweise war gar keine Vorverkaufsquote notwendig.

Nach dem Bericht werden bereits erste Projekte der Hamburger Hafencity verschoben, außerdem verlaufe die Vermarktung der Büros im Überseequartier schleppend. So soll die Elbphilharmonie erst 2011 statt 2010 fertig sein soll, die U-Bahn (2012), und das Überseequartier (2012). In der Schwebe sind die Projekte Science Center (Baustart 2012), das Kreuzfahrtterminal mit Hotel (2011) und die Hafencity Universität (2009), schreibt die Zeitung.

Die Hafencity gilt als eines der ehrgeizigsten Bauprojekte nach Abschluss der Großbaustellen in Berlin. “Die Hafencity wird die Innenstadt Hamburgs um 40 Prozent vergrößern. Bis zu zwei Mio. Quadratmeter Fläche werden gebaut, es entstehen 5 500 Wohnungen für 12 000 Einwohner, Büroflächen für mehr als 40 000 Arbeitnehmer, außerdem Gastronomie, Einzelhandelsflächen, Einrichtungen für Kultur- und Freizeit, Parks und Promenaden”, erklärt das Handelsblatt. Ob tatsächlich ein so hoher Bedarf an Büroflächen besteht, ist umstritten.

Category : Finanzierung | Blog
6
Jun

Jetzt nähert sich offensichtlich die nächste Kreditklemme mit großen Schritten. Dies bestätigte wieder das Handelsblatt. Die Zeitung stützt sich dabei auf eine Untersuchung der KfW. Die Banken selbst sehen die Einschränkungen weniger dramatisch und sprechen weiterhin von lebhafter Kreditvergabe, wobei gern übersehen wird, dass Inanspruchnahmen von Krediten auch auf Basis von Genehmigungen der letzten Jahre erfolgen.

Fairerweise muss man sagen, dass es sich nicht um eine Kreditklemme im engeren Sinn handelt. Wie sehen keinen Credit Crunch, weil die Banken mittlerweile wieder über die entsprechenden Mittel verfügen. Die Herausgabe dieser Mittel schränken die Institute aber ein, weil viele Unternehmen die gestiegenen Anforderungen für die Kreditvergabe nicht erfüllen.

Unternehmen geraten dabei doppelt unter Druck. Erstens hat die Konjunkturlage ihre Bonität verschlechtert und 2. sind die Bonitätsanforderungen der Banken gestiegen. Daneben ist der Weg über alternative Finanzierungsmöglichkeiten, etwa über Kreditversicherungen (in Zusammenhang mit Zahlungszielen), Leasing und Auslandsbanken weiter deutlich eingeschränkt. Hinzu kommt eine Verschlechterung der Zahlungsmoral, die Creditreform allerdings als noch nicht dramatisch einstuft.

Nur sehr eingeschränkte Abhilfe können hier die über die KfW bereitgestellten Bundesbürgschaften schaffen. Wenn die Banken die Risiken nach welchen Kriterien auch immer als zu hoch einschätzen, dann verweigert auch die KfW die Darlehen, denn in solchen Fällen gelangen die entsprechenden Anträge gar nicht erst zur Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Ein aktuelles Problem liegt damit in den Risikoeinschätzungen, die in der Regel nicht transparent sind. So kommen z.B. Unternehmen bestimmter Branchen oder Zielgruppen sowie Start-ups unter sonst gleichen Bedingungen schwerer an Darlehen, weil die Institute hier zu anderen Risikoeinschätzungen gelangen (das war allerdings auch in der Vergangenheit nicht anders). Wenn Unternehmen genauer wissen würden, welche Kriterien sie zu erfüllen haben und welcher Preis für welches Risiko gezahlt wird, dann könnten Sie sich auf diese Anforderungen deutlich besser einstellen und hätten eine entsprechende Kalkulationsbasis für neue Investitionen. Hier wäre jetzt noch ein längerer Exkurs notwendig, auf den ich aber aus Zeitgründen verzichten muss.

Die Probleme treten aber nicht nur bei kleineren oder mittleren Unternehmen auf. Auch für Großunternehmen verschärfen sich die Bedingungen, weil die Ratinggesellschaften derzeit ihre Modelle rekalibrieren. Paradoxerweise ziehen die Agenturen hier den Unmut vieler Investoren und Analysten  auf sich, wie das Handelsblatt gestern schrieb.

Betriebe, die bisher gut mit Liquidität respektive mit Kreditlinien ausgestattet sind, sollten ungeachtet ihrer aktuellen Situation ein Quercheck in Form einer verlängerten Liquiditätsplanung machen und dabei auch das eine oder andere Stressszenario durchspielen. Unternehmen, die sich bisher noch gar nicht mit Krisenmanagement befasst haben und nicht wissen, wie sie sich dem Thema nähern, die finden in dieser Artikelserie nebst der dazu gehörenden Mindmaps eine erste Unterstützung.

Category : Finanzierung | Blog
5
Jun

Die Märkte für Kreditverbriefungen lagen und je nach Sichtweise liegen immer noch am Boden. Immerhin mehren sich die Anzeichen für eine Heilung. Die Marktteilnehmer denken intensiv darüber nach, wie man den Markt für verbriefte Kreditforderungen wieder in Gang bringen kann. Diesem Prozess des Nachdenkens diente am Mittwoch eine von der TSI und der KfW veranstalteten Konferenz, zu der ich eingeladen war. Unter dem Titel  “Bestandsaufnahme Kreditmärkte und Unternehmensfinanzierung in Deutschland” traf sich geballtes Branchen-Know-how zu einer ideologiefreien aber selbstkritischen Diskussion.

Schreiben ließen sich auf Basis der anspruchsvollen Panelrunden diverse Blogeinträge und dennoch würde es kaum gelingen, die vielen Facetten in angemessener Weise zu dokumentieren. Hier begnüge ich mich auch aus Zeitgründen mit ein paar Highlights.

  1. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht vorbei. Von einer dauerhaften Trendwende mag niemand sprechen. Anzeichen der Erholung können auf Nachholeffekte/Lagerräumung etc. zurückzuführen sein.
  2. Der Kreditnachfrage wird zunehmen, weil Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf durch inländische Institute decken müssen und viele alternative Finanzierungsmöglichkeiten (Auslandsbanken, Kreditversicherungen, Leasing, Verbriefung) eingeschränkt oder gar weggefallen sind.
  3. Die Kreditnachfrage trifft weiterhin auf auf eine restriktive Kreditvergabe, u.a. weil den Banken Eigenkapital fehlt, sich die Bonitätseinschätzungen vieler Kreditnehmer verschlechtert haben und die zyklischen Regulierungsvorschriften eine höhere Eigenkapitalunterlegung verlangen. Interessant: Während Banken keine Kreditklemme erkennen, sehen Nichtbanken Anzeichen einer sich weiter verstärkenden Kreditverknappung.
  4. Neben der Kreditklemme gibt es einen doppelten Eigenkapitalbedarf, nämlich den bei Banken und den bei Unternehmen. Dieser Bedarf trifft auf zurückhaltende Investoren.
  5. Die Bündelung von Kreditforderungen in forderungsbesicherten Wertpapieren (=ABS) ist weiterhin sinnvoll, um die Kreditvergabe durch erweiterte Refinanzierungsmöglichkeiten zu erleichtern und einer verbesserten Risikoallokation der Banken zu ermöglichen.
  6. Die Verbriefung in ABS und Co. an sich bleibt ein vernünftiges Instrument sowohl der Finanzierungssteuerung als auch der Geldanlage, wenn die Branche die lessons learnt aus der Kreditkrise berücksichtigt.
  7. Der deutsche ABS-Markt hat im Gegensatz zum Subprime-ABS-Markt kaum fundamentale Ausfälle zu verzeichnen, leidet aber ebenfalls  an der Diskussion um toxische Assets, die in der Praxis ABS- und Schwesterkonstruktionen betreffen, in denen stark ausfallgefährdete Kredite verbrieft sind.
  8. Die Investoren sind zurückgekehrt und wollen ABS  zu den stark reduzierten Marktwerten kaufen, finden aber zu diesen Konditionen kaum verkaufswillige Banken. Grund dafür ist die große Diskrepanz zwischen Markt- und Fundamentalwert.
  9. Die Verbriefungen von Krediten bleibt ein sinnvolles Instrument der Kreditvergabe und der Steuerung von Kreditrisiken der Banken.
  10. Eine Ursache für die Exzesse am Markt der Verbriefungsforderungen lag in den Wünschen von Investoren nach höheren Renditen, die man mit “spannenden Konstruktionen” erzielen wollte. Das Angebot an Geld erzwang also die Nachfrage nach Krediten.
  11. Banken und Investoren fürchten eine Rekalibrierung der Rating-Modelle, die im Zweifel zu einer Herabstufung von Ratings und damit zu erneutem Druck auf Vermögenspreise führen könnten. Da die Ratinggesellschaften hier eine hohe Verantwortung tragen und Ratings direkte aufsichtsrechtliche und eigenkapitalmäßige Auswirkungen haben, wird eine wie auch immer geartete Kontrolle des Ratingsektors gefordert. Wünschenswert ist zumindest ein Konsultationsprozess für neue Bewertungsmodelle. Zur neuen Kritik an den Ratinggesellschaften siehe auch diesen Artikel im Handelsblatt.
  12. Eine pauschale Herabsetzung von Ratings kann auch deswegen zu Refinanzierungsproblemen führen, weil für bei der Bundesbank für Refinanzierungsgeschäfte hinterlegte ABS-Papiere Ersatz beschafft werden müsste oder die Refinanzierung zurückzuzahlen wäre.
  13. Durch staatlich gestützte Verbriefungen könnte der Umfang staatlicher Kredithilfe deutlich erhöht werden ohne das staatliche Gesamtkredit- und Bürgschaftsvolumen erhöhen zu müssen.
  14. Erfreut hat mich, dass sich die Branche für Banken durchaus selbstkritisch mit  der Neuausrichtung beschäftigt. Schade, dass das weiterstgehend hinter verschlossenen Türen stattfindet und man sich so selten in die Karten schauen lässt. Dabei war ein häufig wiederholtes Schlagwort der Konferenz gewesen: Vertrauen herstellen durch Transparenz. Leider bliebt es bei den Schlagworten. Es fehlten konkrete Ansätze zur Herstellung der Transparenz.
  15. Es bedarf Institutionen, die mittelständischen Unternehmen Eigenkapital zu einem Marktpreis zur Verfügung stellen können.

Der große Wurf dieser ansonsten gelungenen Veranstaltung bliebt erwartungsgemäß aus. Die Finanzbranche brütet über neue Ideen, hat sie aber bisher nicht gefunden, wie übrigens auch eine ähnlich Konferenz in London gezeigt hat. Dies mag daran liegen, dass die Branche noch zu sehr im eigenen Saft schmort und ihr eine Portion kreatives Selbstbewusstsein fehlt. Hilfreich könnte es da sein, wenn Finanz- und Nichtfinanzsektor stärker miteinander reden würden.

Beim Reflektieren der Veranstaltung auf der Heimfahrt ist mir aufgefallen, dass die originären Bedürfnisse der nach Finanzierung suchenden Unternehmen, insbesondere des Mittelstands, zu kurz kommen in den Gedankenprozessen vieler Institute. Die Branche nähert sich nämlich den Finanzierung suchenden Unternehmen von der Anlageseite. Ausgangspunkt der Überlegungen ist stets, wie schaffe ich es Investoren zurück an den Markt zu bekommen und meine Bankrisiken so zu strukturieren, dass die Bank wieder mehr Geschäft machen kann. Erst dann stellt man sich die Frage, ob ein Finanzierung suchendes Unternehmen in dieses Geschäftsmodell passt.

Die Branche sollte es hier einmal wagen, die Denkrichtung zu ändern und vom Finanzierungsuchenden den Prozess zu betrachten. Statt “investment first” also “financing first”. Sie sollte sich also zuerst die Frage stellen, was braucht ein Unternehmen für seine Finanzierung an Eigen- und Fremdkapitalinstrumenten. Anschließend kann man schauen, wie die Risikostrukturierung und die Refinanzierung durch Investoren auf diese Bedürfnisse ausgerichtet werden kann.

Eine Dokumentation zu der Veranstaltung hat die TSI mittlerweile ins Internet gestellt. Sie ist hier abrufbar.

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3
Jun

Zunächst hat mich die Überschrift “Merkel warnt vor Kreditmangel” im Handelsblatt an das 4. Quartal des letzten Jahres erinnert. Ist die Kreditklemme wieder zurück, habe ich mich gefragt. Bei Lektüre des Artikel staunte ich dann darüber, wie lange Informationen, über die schon seit Monaten berichtet wird (siehe dazu unten die Artikel des Blick Logs), benötigen, um endlich im Kanzleramt Reaktionen auszulösen.

Anlass für die Warnungen der Kanzlerin seien zunehmende Ängste der Wirtschaft vor einer bedrohlichen Kreditverknappung in den nächsten Monaten aufgrund verschärfter Kreditvergabebedingungen. Spätestens im Sommer könnten diese sogar existenzbedrohend werden. Das ist alles andere als neu. Hätte die Bundesregierung einen kürzeren Draht zum Mittelstand und der Mittelstand eine effektivere Lobby (ja, viele Mittelständler beschweren sich über die Arbeit ihrer Lobbyisten), dann hätten Kanzleramt und Wirtschaftsministerium folgende Umstände schon vor Monaten bemerken und entsprechend reagieren können:

  • Verschärfung der Kreditvergabebedingungen der Banken: Das ergibt sich aus der Eigenkapitalknappheit und den Bonitätsverschlechterungen aufgrund der Wirtschaftslage. Viele mittelständische Unternehmen haben schon vor neun Monaten erste Auswirkungen der Kreditzurückhaltung gespürt. Warum sonst hätte das Geschäftsvolumen in so vielen Industriebereichen zusammenbrechen können?
  • Die Rückführung der Kreditsumme resultiert auch aus dem Deleveraging genannten Effekt. Im Dezember schrieb ich dazu: “Die Banken sind aber vor allem deswegen in Schwierigkeiten geraten, weil sie in den vergangenen Jahren ihre Mittel in zu riskante Geschäfte investiert haben. Im Rahmen der Rettungspakete wird ja gerade von ihnen verlangt, für eine bessere Eigenkapitalquote zu sorgen und künftig solidere Geschäfte zu betreiben.” Nun wird von den Banken wieder verlangt, höhere Risiken einzugehen, um die Wirtschaft nicht untergehen zu lassen. Das Dilemma war bereits im Herbst 2008 da: “Banken oder Wirtschaft retten?
  • Auch das Thema Kreditversicherungen ist alles andere als neu. Kreditversicherungen haben bereits vor über einem Jahr ihre Bedingungen verschärft. Dies mag damals nicht aufgefallen sein. Spätestens ab Oktober hatte dies deutliche Wirkungen entfaltet, weil die Kürzungen der Versicherungslimite  sich unmittelbar auf das Geschäft auswirkten und kein Ersatz in Form von zusätzlichen Kontokorrentlinien bereit gestellt wurde.
  • Verzögerungen in den KfW-Bürgschaftsprogrammen sind ebenfalls lange bekannt. Ich schrieb dazu Anfang Mai aus meinem Beratungsalltag: “
    • Das ist kein Wunder, denn dem Förderungsmotor fehlt an drei Zahnrädern der Schmierstoff, wie ich selbst in meiner Beratungspraxis feststelle.
      1. Der Prozess, um an die Haftungsfreistellung zu kommen ist für Unternehmen und Banken sehr aufwendig und langwierig. Wer das nicht glaubt, der werfe einen Blick auf dieses Merkblatt der KfW zum Sonderprogramm für mittelständische Unternehmen. Hier sollten Regierung und KfW diesen Prozess entschlacken, um ihn zu beschleunigen.
      2. Viele Unternehmen sind immer noch nicht darauf vorbereitet, die geforderten Unterlagen “Unternehmenskonzept/-planung inklusive der zentralen Planannahmen möglichst für die kommenden drei Jahre (Vermögens-, Ertrags-, Liquiditäts- und Kapitaldienstfähigkeitsplanung)” in der geforderten Qualität vorzulegen. Dabei sollten Unternehmen schon aus eigenem Interesse solche Planungsunterlagen erstellen und für die Unternehmenssteuerung einsetzen. Sollte das Know-how oder die Kapazität fehlen, lässt sich das nachholen durch externe Berater, die Erfahrungen mit solchen Plänen haben und darüber hinaus auch Optimierungsmöglichkeiten aufdecken können.
      3. Die wichtigste und in der Öffentlichkeit unbeachtete Klemme liegt nach meiner Auffassung in Details der Haftungsfreistellung.

Gerade der Punkt 3. führt nämlich zu erhöhten Risiken bei den Instituten und zu Prozessverzögerungen, weil die KfW bzw. der Bund die Risiken  aus der Bürgschaft erst nach einer bestimmten Karenzzeit trägt. Das hat nichts mit einem Informationsmangel zu tun, der durch die Maßnahme Konjunktur auf Tour geheilt wird.

Daneben gibt es seit Monaten Vorschläge zur Verbesserung der Kapitalisierungssituation. Dazu gehört z.B. ein interessanter Vorschlag des Präsidenten des Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Anton F. Börner und von Hartmut Bechtold, Geschäftsführer der True Sale International, im April im Handelsblatt vorgestellt haben und den der Blick Log für die Eigenkapitalfinanzierung weiterentwickelt hat.

Das Problem der Bundesregierung ist einfach. Sie hat sich seit Monaten fast ausschließlich um die Autoindustrie gekümmert und damit einen Moloch geschaffen (siehe dazu diese Mindmap), den sie nicht unter Kontrolle bekommen wird und der noch viele Regierungsressourcen wie ein schwarzes Loch aufsaugen wird.

Es ist höchste Zeit, den Blick jetzt auf die wirklichen Probleme der Wirtschaft zu richten und sich Ratgeber zu suchen, die ihr Ohr dichter an den Unternehmen vor allem am Mittelstand haben. Diese Personen brauchen nicht erst eine Monate dauernde Sachverständigenstudie, um die Mängel in der Unternehmenspraxis aufzuzeigen. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.

continue

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