Finanzierung - DE Wirtschaftsberatung
Umsetzungsnah am Kunden

Finanzierung

9
Jun

Vergangenen Freitag hatte ich in meinem Blog über die Kreditklemme 2.0 geschrieben. Diese Klemme zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Vergabe von Krediten eingeschränkt wird, weil viele Unternehmen die gestiegenen Anforderungen für Kredite nicht erfüllen. Außerdem verlangen Banken mehr Sicherheiten und wollen mehr Nachweise der Planungssicherheit.

Über ein Beispiel war jüngst im Handelsblatt zu lesen, nämlich über die Projektfinanzierung im Hamburger Vorzeigeneubaugebiet Hafencity. Ein mittelständischer Projektentwickler berichtet, dass Banken für Finanzierungen von Wohnbauvorhaben heute 20 bis 30 Prozent Eigenkapital erwarten sowie eine Vorverkaufsquote bei 50 Prozent. Früher reichten 15 bis 20 Prozent Eigenkapital verlangt und teilweise war gar keine Vorverkaufsquote notwendig.

Nach dem Bericht werden bereits erste Projekte der Hamburger Hafencity verschoben, außerdem verlaufe die Vermarktung der Büros im Überseequartier schleppend. So soll die Elbphilharmonie erst 2011 statt 2010 fertig sein soll, die U-Bahn (2012), und das Überseequartier (2012). In der Schwebe sind die Projekte Science Center (Baustart 2012), das Kreuzfahrtterminal mit Hotel (2011) und die Hafencity Universität (2009), schreibt die Zeitung.

Die Hafencity gilt als eines der ehrgeizigsten Bauprojekte nach Abschluss der Großbaustellen in Berlin. “Die Hafencity wird die Innenstadt Hamburgs um 40 Prozent vergrößern. Bis zu zwei Mio. Quadratmeter Fläche werden gebaut, es entstehen 5 500 Wohnungen für 12 000 Einwohner, Büroflächen für mehr als 40 000 Arbeitnehmer, außerdem Gastronomie, Einzelhandelsflächen, Einrichtungen für Kultur- und Freizeit, Parks und Promenaden”, erklärt das Handelsblatt. Ob tatsächlich ein so hoher Bedarf an Büroflächen besteht, ist umstritten.

Category : Finanzierung | Blog
6
Jun

Jetzt nähert sich offensichtlich die nächste Kreditklemme mit großen Schritten. Dies bestätigte wieder das Handelsblatt. Die Zeitung stützt sich dabei auf eine Untersuchung der KfW. Die Banken selbst sehen die Einschränkungen weniger dramatisch und sprechen weiterhin von lebhafter Kreditvergabe, wobei gern übersehen wird, dass Inanspruchnahmen von Krediten auch auf Basis von Genehmigungen der letzten Jahre erfolgen.

Fairerweise muss man sagen, dass es sich nicht um eine Kreditklemme im engeren Sinn handelt. Wie sehen keinen Credit Crunch, weil die Banken mittlerweile wieder über die entsprechenden Mittel verfügen. Die Herausgabe dieser Mittel schränken die Institute aber ein, weil viele Unternehmen die gestiegenen Anforderungen für die Kreditvergabe nicht erfüllen.

Unternehmen geraten dabei doppelt unter Druck. Erstens hat die Konjunkturlage ihre Bonität verschlechtert und 2. sind die Bonitätsanforderungen der Banken gestiegen. Daneben ist der Weg über alternative Finanzierungsmöglichkeiten, etwa über Kreditversicherungen (in Zusammenhang mit Zahlungszielen), Leasing und Auslandsbanken weiter deutlich eingeschränkt. Hinzu kommt eine Verschlechterung der Zahlungsmoral, die Creditreform allerdings als noch nicht dramatisch einstuft.

Nur sehr eingeschränkte Abhilfe können hier die über die KfW bereitgestellten Bundesbürgschaften schaffen. Wenn die Banken die Risiken nach welchen Kriterien auch immer als zu hoch einschätzen, dann verweigert auch die KfW die Darlehen, denn in solchen Fällen gelangen die entsprechenden Anträge gar nicht erst zur Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Ein aktuelles Problem liegt damit in den Risikoeinschätzungen, die in der Regel nicht transparent sind. So kommen z.B. Unternehmen bestimmter Branchen oder Zielgruppen sowie Start-ups unter sonst gleichen Bedingungen schwerer an Darlehen, weil die Institute hier zu anderen Risikoeinschätzungen gelangen (das war allerdings auch in der Vergangenheit nicht anders). Wenn Unternehmen genauer wissen würden, welche Kriterien sie zu erfüllen haben und welcher Preis für welches Risiko gezahlt wird, dann könnten Sie sich auf diese Anforderungen deutlich besser einstellen und hätten eine entsprechende Kalkulationsbasis für neue Investitionen. Hier wäre jetzt noch ein längerer Exkurs notwendig, auf den ich aber aus Zeitgründen verzichten muss.

Die Probleme treten aber nicht nur bei kleineren oder mittleren Unternehmen auf. Auch für Großunternehmen verschärfen sich die Bedingungen, weil die Ratinggesellschaften derzeit ihre Modelle rekalibrieren. Paradoxerweise ziehen die Agenturen hier den Unmut vieler Investoren und Analysten  auf sich, wie das Handelsblatt gestern schrieb.

Betriebe, die bisher gut mit Liquidität respektive mit Kreditlinien ausgestattet sind, sollten ungeachtet ihrer aktuellen Situation ein Quercheck in Form einer verlängerten Liquiditätsplanung machen und dabei auch das eine oder andere Stressszenario durchspielen. Unternehmen, die sich bisher noch gar nicht mit Krisenmanagement befasst haben und nicht wissen, wie sie sich dem Thema nähern, die finden in dieser Artikelserie nebst der dazu gehörenden Mindmaps eine erste Unterstützung.

Category : Finanzierung | Blog
17
Apr

In diesen Monaten wird viel zu wenig öffentlich über die Finanzierung des Mittelstands diskutiert und nachgedacht. Während die Konjunkturpakete vor allem für die Autoindustrie, Infrastrukturanbieter und neuerdings für die Waffenindustrie gemacht werden, bleiben dem breiten Mittelstand gerade mal die vergleichsweise sperrigen Maßnahmen über KfW-Fördermittel. Der Mittelstand muss sich also wie immer selber helfen, weil die Mittel dort hinfließen, wo zwar die öffentliche Aufmerksamkeit nicht notwendigerweise aber der gesamtwirtschaftliche Nutzen maximiert wird.

Die Aussage, die Kreditangebote übersteigen die Kreditnachfrage, halte ich für eine PR-Offensive der Kreditinstitute, die selbstverständlich nicht als Totengräber des Mittelstandes gelten wollen. In der Praxis machen sich viele Mittelständler Gedanken, wie sie Betriebsmittel und Investitionen finanzieren und stoßen dabei immer wieder auf verschlossene Türen bei ihren Banken oder stehen dort vor schwierigen Verhandlungen. Ich erlebe das gerade wieder einmal selbst für einen Mandanten, den ich bei der Reorganisation und Finanzierung unterstütze.

Einen umsetzenswerten Vorschlag, der aber wohl für einige Unternehmen zu spät kommt, haben der Präsident des Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Anton F. Börner und Hartmut Bechtold, Geschäftsführer der True Sale International, jüngst im Handelsblatt vorgestellt. Sie zeigen in dem Beitrag zunächst den auch aus meiner Sicht unstrittigen Bedarf nach Finanzierungsalternativen für den Mittelstand auf.

Zur Versorgung der Wirtschaft mit Krediten regen Bechtold und Börner eine Verbriefung von Firmenkrediten in den Bankbilanzen an. Konkret schreiben sie:

“Folgende Lösung wäre mit Hilfe des Staats vorstellbar: Banken wird die Möglichkeit eröffnet, ihre Mittelstandsportfolios oder lediglich die Risiken daraus auf eine Verbriefungsgesellschaft zu übertragen. Diese finanziert sich durch die Begebung von Anleihen. Die sicheren AAA-Bonds können zur Refinanzierung bei der Europäischen Zentralbank hinterlegt werden, ergänzend wäre zu überlegen, ob die Förderbanken der Länder oder die KfW zunächst als Käufer tätig werden. Die mittleren Tranchen, die für den Eigenkapital-entlastenden Risikotransfer wichtig sind, werden mit staatlicher Hilfe am Markt platziert. Da der Markt zurzeit von sich aus nicht aufnahmefähig ist, wäre es wichtig, dass der Staat diese sogenannten Mezzanine-Tranchen partiell oder vollständig zunächst übernimmt oder sie durch Garantien am Markt platzierbar macht.

Die Bank behält einen “First loss Anteil”, der die erwarteten Ausfallraten abdeckt und damit sicherstellt, dass eine ordentliche Kreditbearbeitung erfolgt. Die Transaktionen und Verträge sollten in hohem Maße standardisiert sein, und die Bank sollte sich zu einem Höchstmaß an Transparenz verpflichten. Selbstverständlich würde die Teilnahme an dem Programm für jede Bank auch die Verpflichtung beinhalten, frei werdendes Eigenkapital in neue Mittelstandsfinanzierungen zu investieren.”

Im Prinzip basiert der Vorschlag darin, Finanzierungen für den Mittelstand in einer Art Asset Backed Security zu verpacken und “Geithner-like” staatlich unterstützt an private Investoren zu verkaufen. Ähnlich funktioniert das nun offensichtlich erfolgversprechend anlaufende und in meinem Blog intensiv betrachtete US-Programm zur Platzierung “toxischer” Papiere.

Nach Ansicht von Bechtold und Börner liegt der Vorteil einer derartigen Förderung der Mittelstandsfinanzierung gegenüber der direkten Garantie von neuen Mittelstandskrediten in der Kapitalmarktnähe, “die Bonds könnten bei entsprechender Entwicklung der Märkte den staatlichen Hafen wieder verlassen. Die Funktion der kreditgebenden Bank bliebe erhalten. Neben Bankkrediten für Mittelstandsunternehmen könnten in derartige Programme auch Bankkredite an Leasing- und Factoringgesellschaften bzw. deren Forderungen selbst einbezogen werden.” Weiter schreiben die Autoren:

continue

Category : Finanzierung | Blog